Saurierspuren-Exkursion – Da haben Sie etwas verpasst!

Am 28. Mai 2017 besuchte der Förderverein der Geowissenschaftlichen Sammlung auf Einladung des Dinopark Münchehagen das Naturdenkmal Saurierfährten Münchehagen sowie die Steinbrüche in Münchehagen und Obernkirchen. Die Teilnehmer werden den entspannten Tag bei überwiegend strahlendem Wetter noch lange in guter Erinnerung behalten wie im folgenden Kurzbericht geschildert.

Der wissenschaftliche Leiter des Dinosaurierparks, Nils Knötschke, zeigt Dinosaurier-Zahnfunde aus Niedersachsen.

Präparationswerkstätten des Dinoparks

Zunächst wurde die Bremer Gruppe vom wissenschaftlichen Leiter des Dinoparks, Nils Knötschke, begrüßt und die erste Abkühlung des Tages erfolgte mit einem Willkommensgetränk. Erfrischt sollte es in den benachbarten Steinbruch der Firma Wesling gehen, doch der morgendliche Gewitterschauer sorgte für eine kleine Programmänderung und so wurde zunächst die Präparationswerkstatt des Dinoparks besucht.

Wie es sich für einen „richtigen“ Dinopark gehört stellt man in Münchehagen nicht nur Modelle von Dinosauriern aus, sondern ist auch aktiv in der Präparaton von Dinosaurierknochen und trägt somit auch zur Erforschung der Urzeitriesen bei. In der Werkstatt zeigte man uns Präparate aus der oberen Jurazeit des Harzrandes – ein Projekt an dem man bereits seit Jahren intensiv arbeitet.

Der Dinopark präpariert jedoch auch Altfunde, d.h. solche die schon vor vielen Jahrzehnten von Museen ausgegraben wurden und noch der Freilegung harren. Mit modernen Methoden legen die Präparatoren des Dinoparks diese wertvollen Funde sorgsam frei und tragen so dazu bei, dass die Altbestände der Museen wissenschaftlich genutzt werden können. Aus diesen Projekten konnte die Gruppe einen Wirbel aus der oberen Triaszeit von Halberstatt bewundern der von einem Prosauropoden stammt. Prosauropoden sind mutmaßliche Vorläufer der riesigen Elefantenfußdinosaurier der Jura- und Kreidezeit.

Wirbel des frühen Dinosauriers Plateosaurus – aus der Triaszeit von Halberstadt.

Eiszeitfunde aus der Region

Der Dinopark Münchehagen ist neben der Forschung an Dinosauriern auch an der Sicherung von Fundmaterial anderer Erdzeitalter aus der Region um das Steinhuder Meer engagiert. Sie erwarb über den Freundeskreis eine große Sammlung eiszeitlicher Säugetierknochen – diese sollen nach und nach auch einen Platz in der Ausstellung des Parks finden. Beeindruckend war ein großer Sklettrest eines Wollnashorn den Nils Knötschke präsentierte, aber auch die Knochen und Geweihreste von Rentier und Riesenhirsch faszinieren.

Knochen eines eiszeitlichen Wollnashorns in der Sammlung des Dinoparks.

Die allerneuesten Fährtenfunde in Münchehagen

Direkt neben dem Dinosaurierpark liegt ein aktiver Steinbruch der Firma Wesling. Nils Knötschke erläuterte der staunenden Gruppe, dass die kürzlich enttdeckten riesigen Sauropodenfußabdrücke nur auf der untersten Schichtfläche der Sandsteinabfolge in Münchehagen vorkommen. Die darüberliegenden Sandsteinbänke enthalten dagegen fast ausschließlich Fußabdrücke von Iguanodontiden, also dem „Leguanzahndinosaurier“, der zu den ersten überhaupt bekannten Dinosauriern gehört. Die Dinosaurier stapften über einen flachen, ufernahen Bereich eines Süß- bzw. Brackwasser-Binnenmeeres – dieses verraten die Oszillatonsrippeln die auf den Sandsteinoberflächen erkennbar sind und von der Bewegung des Wassers herrühren.

In den verschiedenen Sandsteinschichten finden sich unterschiedliche Typen von Dinosaurierfußabdrücken.
Oszillationsrippeln – Zeugnis einer flachen Wasserbedeckung und -bewegung.
Dieser Sandsteinblock liegt umgedreht vor den Besuchern und zeigt die Negativausfüllungen der Fußabdrücke von Dinosauriern – vermutlich war der Pflanzenfresser Iguanodon ihr Erzeuger.

Dinosauriermodelle und Naturdenkmal

Zurück im Dinosaurierpark verschafften wir uns einen Überblick über die Fährten des Naturdenkmals. Die Fährten wurden in den 1970er Jahren eher zufällig entdeckt und heute werden die bedeutendsten von ihnen von einer großen Halle vor Wind und Wetter geschützt.

Blick auf den Aussenbereich des Naturdenkmals Saurierfährten Münchehagen.
Lebensgroße Modelle der Dinosaurier „laufen“ lebensecht auf der Sandsteinfläche des Naturdenkmals – so kann man sich die Entstehung der Fährten lebhaft vorstellen.

In der Schutzhalle des Dinoparks durfte die Gruppe dann die Schichtfläche betreten um sich ganz hautnah ein Bild der riesigen Sauropodenspuren zu machen. Auch kleine Details der riesigen Fläche konnten hierdurch bewundert werden, wie der eine oder andere Schildkrötenknochen.

Die Fußabdrücke der riesigen Sauropoden liegen vor der Besuchergruppe.
Die isolierte Platte eines zerfallenen Schildkrötenpanzers.

Obernkirchen und der Bremer Stein

Eine Gruppe von Geo-Interessierten darf die Region der Oberweser natürlich nicht ohne einen Besuch in Obernkirchen verlassen – der Herkunft des „Bremer Steins“. Dieser Sandstein wird so genannt, da er jahrhundertelang in Obernkirchen gewonnen und dann zum Weiterverkauf nach Bremen verschifft und dort gehandelt wurde. Hier wurde die Exkursion von Björn Vogel geführt – Präparator und Mitarbeiter des Dinopark – der hier schon als Jugendlicher als freiwilliger Grabungshelfer Spuren ausgrub.

Am Ende des Tages gab es erneut viel Applaus für den zweiten Tourguide und viel Dank für den wunderbaren Tag im Gelände. Der Förderverein der Geowissenschaftlichen Sammlung Bremen dankt dem Dinosaurierpark Münchehagen für einen ganz individuellen und nachhaltigen Eindruck mit einem Blick hinter die Kulissen der Arbeit des Parks!

Eine große Anzahl von Fußabdrücken die dem Dinosaurier Iguanodon zugeschrieben werden.
Die Fußabdrücke verlieren leider im Lauf der Jahre an Deutlichkeit. Auf der rechten Seite wurde daher der Abdruck der links zu sehen ist eingefärbt.
Gruppenbild der Exkursion des Fördervereins mit dem lokalen Führer Björn Vogel vom Dinosaurierpark Münchehagen (Dritter von rechts).
In den Wäldern um die heutigen Obernkirchener Sandsteinbrüche leben auch heute noch Reptilien wie diese Blindschleiche beweist.

 

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